Jens Rausch – Echo II

05.09.2021 – 21.11.2021

Seit einigen Jahren werden seine Arbeiten bei Messen und Ausstellungen bestaunt, so auch 2020 in Schloss Königshain, wohin ihn die Kunststation Kleinsassen im Rahmen des Via Regia Künstleraustausches entsandte. Was ist das Besondere an den Sonnenblumenfeldern, den Waldstücken oder Berglandschaften des Jens Rausch? Dem Künstler geht es nicht um eine abbildhafte Wiedergabe von in der Natur gesehenen Motiven. Es ist vielmehr ein höchst sensibles und intensives Durchdringen dessen, was Natur ausmacht – in ihrem immer neuen Kreislauf von Emporkeimen, Wachsen, Absterben und Vergehen. Auch Feuer vernichtet, setzt Energie frei und fördert durch Asche wieder neues Leben. Natur zu dem Thema seiner Kunst zu machen und dabei auch sein tiefes Naturerleben zur Anschauung zu bringen, das zwingt Jens Rausch, sich auch mit den Materialien auf neue Weise auseinanderzusetzen. Er verwendet keine künstlichen Pigmente, sondern bindet in Öl die Stoffe, die den Bildserien adäquat sind. Und das sind die Zerfallsprodukte der natürlichen Kreisläufe wie Bitumen, Ruß, Asche, Metalloxide, aber auch erudierte, gemahlene Steine, z. B. Marmor. Getrieben von einem großen Hang zum Experimentieren kann Rausch die Ergebnisse vieler Arbeitsschritte nur bedingt steuern und reagiert in seinem weiteren Tun auf diese „Zufälle“. Unvorhersehbare und prozesshafte Veränderungen, wie wir sie in der Natur erleben, sind damit in den Bildwerken immanent, denn auch die Malmaterialien reagieren weiter miteinander, und sie reagieren auch mit dem aufgefalteten Blei als Bildträger der Berginszenierungen. Den Blick in die Tiefe, hinter die Oberfläche, den der Künstler in seinem eigenen Naturverständnis anstrebt, gewährt er selbst durch ausgebrannte Öffnungen in seinen doublierten Leinwänden und lenkt den Blick auf Erden, Pflanzliches, ja sogar auf tote Insekten. Da die alchemistischen Prozesse in den Bildern nicht zur Ruhe kommen und sich die Bilder weiterhin unter wechselnden Einflüssen durch Luft, Licht und Feuchtigkeit verändern können, ist Rauschs Kunst wahrer Widerhall natürlicher Abläufe und mag selbst im Nacherleben des Betrachters und in dessen Reflexionen über Zeit, Vergänglichkeit und Neuanfang ein neues Echo finden.

Jens Rausch, 1976 in Fulda geboren, studierte an der Fachhochschule Sozialpädagogik, später in Calw Kunsttherapie und Kreativpädagogik. Seit 2000 lebt und arbeitet er in Hamburg.