Finissage der Ausstellung „Blickwechsel“ und Künstlergespräch mit Sharon Paz

Wir laden herzlich ein zur Finissage der Ausstellung „Blickwechsel“ – Ausstellungsprojekt mit Künstler*innen aus dem Nahen und Mittleren Osten – sowie zum Künstlergespräch mit der an der Ausstellung beteiligten israelischen Künstlerin Sharon Paz am Sonntag, 26. Februar 2023 um 14:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Update im Nachzug vom 06.03.2023

Eingeladen zum Künstlergespräch war die an unserer Winterausstellung „Blickwechsel“ beteiligte Künstlerin Sharon Paz. Herzlichen Dank an Sharon Paz für ihr Kommen und den engagierten Vortrag! Herzlichen Dank an Sie, liebe Gäste, für Ihr zahlreiches Erscheinen und Ihr Interesse. Als Nachschlag zu den Kurzvideos der Künstlerin und ihren unseren „Blickwechsel“ anregenden Erläuterungen senden wir Ihnen den eingescannten Aufruf von Sharon Paz zu dem Projekt „Carry on“. Das von ihr initiierte interaktive Augmented Reality Kunstprojekt lebt von der Beteiligung von Menschen aus der Zivilgesellschaft. Besuchen Sie die Website der Synagoge Staudernheim www.synagoge-staudernheim.de und lassen Sie sich anregen, durch einen Beitrag persönlicher Erfahrungen im Kontext Migration den interkulturellen Austausch zu diesem höchst aktuellen Thema zu bereichern!

Unsere Veranstaltung am 15. Januar 2023 mit der Künstlerin Mojgan Razzaghi und dem Musiker Omid Bahadari hat so viel Interesse und Zuspruch ausgelöst, dass wir heute zu einem weiteren Künstlergespräch einladen. Vorab senden wir Ihnen die versprochenen Informationen zum youtube-Angebot von Omid Bahadari (Suchbegriff: „Omid Bahadari energeticVibe“) Link: https://www.youtube.com/results?search_query=Omid+Bahadari+energeticVibe

Wir sind Fremde, fast überall auf der Welt, und doch in dieser einen Welt zuhause. Ortswechsel weiten die Räume des Erlebbaren und vermögen den Blick darauf zu schärfen, woher wir kommen und wohin wir gelangt sind. Künstler*innen haben ihre eigenen Möglichkeiten, sich mit diesen Lebenslagen auseinanderzusetzen und ihre Erkenntnisse zu vermitteln.

Die Kunststation Kleinsassen lädt zur Ausstellung „Blickwechsel“ sechs Kunstschaffende aus dem Nahen und Mittleren Osten ein, uns ihre Standpunkte in Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Installation zu offenbaren. Sie haben in ihren Herkunftsländern (Irak, Iran, Israel, Palästina, Syrien) Kunst studiert und sind u. a. wegen eines weiteren Studiums nach Deutschland gekommen oder vor Gewalt und Krieg geflohen. Sie alle tragen die reichen Traditionen ihrer Herkunftsländer in sich. Elemente daraus, eigene Erfahrungen und neue Sichtweisen fließen in ihrer Kunst ineinander.

Sowohl die geometrisch angelegten skulpturalen und graphischen Arbeiten von Tareq Alghamian als auch die expressiven, weitgehend abstrakten Gemälde von Musafer Qassim spiegeln das äußerst bewegte Leben der Künstler und ihre Suche nach einer neuen Balance. Tamim Sibai erinnert sich an bestimmte Personen, aber im Malprozess gewinnen Farbwahl und -auftrag eine starke Eigendynamik. Nasrin Abu Baker kombiniert sehnsüchtig und in ungewöhnlicher Weise Werkstoffe, mit denen sie in ihrer Familie vertraut wurde. Die Schönheit der Frauen und ihre Stärke, sich auch unter widrigsten Umständen zu behaupten und zu entfalten, inszeniert Mojgan Razzaghi eindrucksvoll in ihren Fotografien. Mit Grenzen als Synonym für das Aufeinandertreffen von Strategien der Sicherheit und der Erfahrung von Unfreiheit setzt sich Sharon Paz in einer Videoprojektion auseinander. Die interessanten Kunstpositionen bieten viele Anregungen – auch zu einem Blickwechsel.

Neben Fragen zur Biographie und zu den technischen Finessen der Videoinszenierungen werden die politischen und sozialen Aussagen der beeindruckenden Werke Gesprächsstoff liefern. Im Café der Kunststation wird die Videoarbeit „Open/Close“ (Kurzvideo 3-4 Min.) zu sehen sein, die Teil der Ausstellung „Blickwechsel“ ist. Sharon Paz setzt sich mit Grenzen in ihrer Funktion als politische und territoriale Markierung und mit ihrer Überschreitung auseinander. Inszeniert vor dem symbolträchtigen Jerusalemer Löwentor, durch das Handel getrieben wurde und durch das die israelische Armee 1967 eindrang, steht Grenze in diesem Video auch als Synonym für das Aufeinandertreffen von Strategien der Sicherheit und der Erfahrung von Unfreiheit sowie für anhaltende bewaffnete Auseinandersetzungen. Im Rahmen des Künstlergesprächs werden zudem die Video-Arbeiten „Right to leave“ und „Sinking Land“ (jeweils Kurzvideos von ca. 4 Min.) gezeigt, die in eindringlichen Bildern von menschlicher Existenz zwischen friedlichem Dasein, konfliktgeladenen Situationen und Gewaltausbrüchen erzählen. Sharon Paz geht es stets darum, das Bewusstsein für die politischen und sozialen Veränderungen von heute zu schärfen, den menschlichen Aspekt hervorzuheben und Toleranz und Empathie durch Reflexion zu fördern. Davon geprägt ist auch ihre jüngste Arbeit „Carry on“, ein interaktives Augmented-Reality-Kunstprojekt über vergangene und gegenwärtige Migrationserfahrungen. Im Synagogenraum von Staudernheim mit seinen historischen Wandschichten erschafft Sharon Paz eine interaktive Reise, die auf Geschichten sowohl der jüdischen Familien, die im Dorf lebten, als auch auf Geschichten zeitgenössischer Migranten basiert. Mit einem Kurzvideo wird Sharon Paz dieses vielschichtige Projekt näher vorstellen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Für das Team der Kunststation
Monika Ebertowski

Impressionen von der Finissage