Ausstellung vom 6. September bis 22. November 2026
Es gibt einen alten Gedanken, der wie ein leises Echo durch die Jahrhunderte wandert: dass die Welt nicht stumm ist, nicht bloß ein Aggregat aus Materie, sondern ein atmendes Gefüge aus Sinn, Rhythmus und innerer Bewegung. Anima Mundi nennt man dieses unsichtbare Strömen – die Weltseele, die alles belebt und verbindet, die in Steinen ruht und in Körpern tanzt, die sich in Sternenkräften spannt und im kleinsten Lichtpartikel zittert. Anima Mundi ist so weniger ein Thema als ein Zustand: ein Lauschen auf die feinen Übergänge zwischen den Dingen, ein Erspüren jener leichten, fast unmerklichen Schwingung, in der alles miteinander verbunden ist. Wer sich darauf einlässt, wird vielleicht spüren, dass die Seele der Welt nicht außerhalb liegt, sondern im Inneren eines Jeden, eines jeden Moments, einer jeden Geste, eines jeden Klanges. Kunst tut nichts anderes, als diese Seele sichtbar zu machen.
Die Ausstellung entfaltet sich als ein vielschichtiges Ensemble aus zehn großformatigen Arbeiten und einer raumgreifenden Installation. Jedes Bild misst 160 × 160 Zentimeter und ist in Öl ausgeführt, in einer bewusst reduzierten Farbigkeit, die den Blick nicht bindet, sondern öffnet. Die Reduktion wird hier zur Konzentration: auf Bewegung, Rhythmus und innere Spannung. Die dargestellten Figuren scheinen sich in einem Zustand des Tanzes zu befinden – nicht als choreografierte Pose, sondern als fortwährender Übergang. Ihre Körper sind Träger einer Dynamik, die sich von Bild zu Bild fortsetzt, sodass das gesamte Werk nicht als Abfolge einzelner Gemälde, sondern als ein zusammenhängender Bewegungsraum erfahrbar wird. Das Ensemble ist nicht statisch, sondern im permanenten Werden begriffen.


Ein zentrales formales und konzeptuelles Element bilden die Punkte, die auf den Bildflächen verteilt sind. Ihre Anordnung folgt der Logik musikalischer Notation. Werden die Arbeiten in der vorgesehenen Reihenfolge gehängt, entfalten diese visuellen Zeichen eine Gesangsmelodie – eine Komposition, die der Künstler selbst geschaffen hat. Hier überschneiden sich Bild und Klang, Sehen und Hören, Fläche und Zeit.
Diese Verbindung ist tief in der Biografie des Künstlers verankert. Seit über drei Jahrzehnten ist er nicht nur bildender Künstler, sondern auch professioneller Musiker, bekannt durch seine Mitwirkung in einer international äußerst erfolgreichen Heavy-Metal-Band mit Chartplatzierungen und goldenen Auszeichnungen. Die Energie, Intensität und körperliche Präsenz dieser musikalischen Praxis finden in den Gemälden eine neue, transformierte Ausdrucksform.
Der Künstler selbst zählt zu den international sehr erfolgreichen Positionen der zeitgenössischen Kunst. Seine Arbeiten werden weltweit rezipiert und sind regelmäßig in Museen sowie in renommierten, großformatig arbeitenden Galerien zu sehen. Zahlreiche Auszeichnungen und Preise unterstreichen seine künstlerische Relevanz und internationale Erwartungshaltung, mit der jede neue Werkphase begleitet wird. Ergänzt wird die Serie durch eine Installation aus figürlichen Elementen, die den Bewegungsimpuls der Bilder in den Raum hinein verlängern. Sie fungieren nicht als Illustration, sondern als Resonanzkörper – als physische Verdichtung dessen, was in der Malerei bereits angelegt ist.
Die Ausstellung richtet sich an den ganzen Menschen. Sie aktiviert mehrere Sinne zugleich: das Sehen, das Hören, das körperliche Erleben von Rhythmus und Bewegung, das intuitive Erfassen von Zeit und Raum. Der Betrachter wird nicht nur zum Beobachter, sondern zum Mitvollziehenden, zum Teil eines ästhetischen Prozesses, der sich zwischen Bild, Klang und Körper entfaltet. So entsteht ein Werkkomplex, der Malerei, Musik und Installation zu einer poetischen Einheit verschmilzt – ein Erfahrungsraum, in dem Kunst nicht betrachtet, sondern erlebt wird.
So schildert Crow (1970 in Thüringen geboren) sein Ausstellungsprojekt „Anima Mundi – Weltenseele“, das er eigens für die Kunststation Kleinsassen entwickelt. Im Sommer 2025 war seine beeindruckende Installation „Undercover“ in der Wettbewerbsausstellung „¡¿Unsere Welt ist schön?!“ zu sehen und wurde mit dem Jurypreis ausgezeichnet. Als Musiker betourte er zahlreiche Länder, bevor er sich der bildenden Kunst zuwandte und nach Shanghai und Tokio umzog. Für seine Installation „Shadeless Emperor“ in der Wüste Gobi erhielt er 2019 den „Artist of the Year Award“. 2020 kehrte der Maler, Musiker, Autor, Fotograf und Performance-Künstler nach Deutschland zurück. Er lebt und arbeitet jetzt in Leipzig.