Ausstellung vom 13.12.2026 bis 21.02.2027 | Decollagen zwischen Malerei und Plastik
Die Stadt ist voller Bilder. Plakate werden überklebt, verwittern, reißen auf und verschwinden – und erzählen dabei Geschichten ihrer Zeit. Genau in diesen Schichten liegt der Ausgangspunkt der Künstlergruppe Die Neo-Affichisten.
Sie knüpft an die Affichisten der ersten Generation der 1950er- und 60er-Jahre an: Jacques Villeglé, Raymond Hains, François Dufrêne, Wolf Vostell und Mimmo Rotella. Diese Künstler entdeckten in den übereinandergeklebten, durch natürliche Erosion und menschliche Spuren veränderten Plakaten der Großstadt ein Bild ihrer Zeit und machten die Décollage zu einer eigenständigen Kunstform.
Die Neo-Affichisten verstehen sich als nächste Generation dieser künstlerischen Idee. Wo einige den klassischen Rhythmus der Décollage aufgreifen und weiterdenken, entwickeln andere ihn mit neuen Techniken und zeitgenössischen Fragestellungen weiter. Aus den Plakatschichten entstehen nicht nur neue Bilder – sie werden zerschnitten, geschliffen, zerlegt, gerissen, seziert und neu zusammengesetzt. Die Oberfläche wird geöffnet, Schicht für Schicht wird der Bildraum freigelegt und neu organisiert, sowohl im zwei- als auch im dreidimensionalen Raum. So entstehen Werke, die verborgene Strukturen sichtbar machen und den Blick hinter die Oberfläche lenken. Die Straße bleibt Ausgangspunkt, das Ergebnis geht jedoch weit über die klassische Décollage hinaus.
Die Gruppe gründete sich 2025 in Berlin. Ihr gemeinsames Interesse gilt dem Plakat als Material, Zeitzeugnis und Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Künstler*innen aus Bildhauerei, Fotografie, Literatur, Malerei und Plastik, Musik und Wissenschaft bringen dabei unterschiedliche Perspektiven und Arbeitsweisen zusammen. Hieraus entstehen Arbeiten, die zwischen Collage, Malerei, Objekt, Relief und Plastik ihren eigenen Ausdruck finden.
Die Ausstellung versammelt unterschiedliche Positionen der Künstlergruppe Die Neo-Affichisten und zeigt, wie aus den Spuren der Straße überraschend vielschichtige Werke entstehen. Sie lädt dazu ein, sich auf die Langsamkeit des Sehens einzulassen und Schicht für Schicht hinter die Oberfläche zu blicken – dorthin, wo die Spuren unserer Zeit sichtbar werden.
Zur Gruppe gehören Peter Buchholz, Pola Brändle, Ariane Kipp, Eleonora Paradise, Michael Wismar (Berlin), Wolfgang Kowar (Hannover), Christoph Bodmer (Stuttgart) und Cris Koch (München).





![Cris Koch, Tresor [Berlin], 2025 (Foto: Lukas PuÌrmayr) Cris Koch, Tresor [Berlin], 2025 (Foto: Lukas PuÌrmayr)](https://kunststation-kleinsassen.de/wp-content/uploads/2026/07/Cris-Koch-Tresor-Berlin-2025-140x170cm-Credit-Lukas-PuIrmayr-300x247.webp)

