Joachim Schüler – Suchmaschine

15. Dezember 2019 – 23. Februar 2020:

Weltweit werden jährlich ca. zwei Billionen Fotos digital geschossen. Kein Wunder also, dass das Internet mit Bildern überschwemmt wird und sich der Stellenwert von Bildinhalten und Bildbedeutungen wandelt. Suchprogramme erleichtern den Umgang mit Bildern, prägen aber auch neue Sehgewohnheiten. Darüber hinaus eröffnen sich Möglichkeiten, bisher ungesehene Bildmotive und Bildzusammenstellungen zu entdecken und entstehen zu lassen. Gibt man über eine Suchmaschine einen Suchbefehl ein, bauen sich rasch unzählige Zeilen von Bildern aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen und in unterschiedlichen Größen auf und ergeben selbst ein geordnetes Bild mit einem eigenen Rhythmus. Auch mit Bildern selbst anstelle von Begriffen kann man suchen und aus dem Internet neue Bildfolgen gewinnen – diesmal nach visuellen Kriterien. Technische Mankos können zu reizvollen Fehldarstellungen führen: Bevor auf einem Smartphone sich die Suchergebnisse vollständig laden, erscheinen Farbflächen in Größe und Farbnuance der wenig später sichtbaren Abbildung. Diese Flächen formieren sich zu einem farbigen, rhythmischen „Fliesenmuster“, das man flink auch als Screenshot festhalten kann. Die beschriebenen Such-Phänomene haben Joachim Schüler dazu veranlasst, sich für sein Ausstellungsprojekt „Suchmaschine“ eingehend mit der Bilderflut im Internetzeitalter auseinanderzusetzen und mit seinen Arbeiten darauf zu reagieren. Mit den neuen Medien ist der Künstler und Kommunikationsdesigner, der 1967 in Frankfurt geboren wurde und seit 1993 als freier Grafiker in Fulda arbeitet, bestens vertraut. Screenshots stellt er Holzschnitte und „Zeichnungen aus Dachlatten und Euro-Paletten“ gegenüber und gibt mit diesen sperrigen und zeitaufwändigen Techniken den Bildern Individualität und Aufmerksamkeit zurück.

Beifang
Irgendwann im Frühjahr. Das Wasser war tief und trüb und das Netz voller Löcher: Die Verbindung war schlecht. Irgendwann im Frühjahr 2015 legte mein Smartphone bei der Bildersuche im Internet (wegen schlechter Verbindung?) ein merkwürdiges Verhalten an den Tag: Bevor die Treffer vollständig geladen und angezeigt wurden, konnte man – mal für längere Zeit, mal nur für Sekundenbruchteile – bloß farbige Flächen sehen. Was für ein überraschender Fang: Fließende Farben, rechtwinkliger Rhythmus. Es musste hunderte … nee, endlos viele davon geben. Sie waren nicht leicht zu erkennen, vor lauter Schmutz und Schmodder. Und so beschloss ich, eine Sammlung anzulegen.