SIE und ER – WER sind WIR?

SIE und ER – WER sind WIR?

17. Dezember 2017 bis 25. Februar 2018


Dorle Oberländer: Paar, 2011

Die Ausstellung macht sich auf die Suche nach dem Selbstverständnis und den gesellschaftlichen Definitionen der Geschlechterrollen. Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.
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Hanswerner Kruse von der Fuldaer Zeitung war bei der Vernissage und findet dort „Brüche zwischen Wunsch und Realität“.
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In der Kleinsassener Kunststation zeigen 45 Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten zum Thema „Sie und Er“. Die Vernissage der Ausstellung war der Auftakt für zahlreiche Begleit-Veranstaltungen bis März 2018 im Fuldaer Raum.

Die Ehe für alle? Ein drittes Geschlecht? Kinder aus der Retorte? Talk-Shows und andere Medien, sogar der „Tatort“ befassen sich mit diesen Themen – und das Bundesverfassungsgericht redet mit. Diese aktuelle gesellschaftliche Entwicklung erzwingt quasi den Untertitel der Ausstellung „Wer sind Wir?“

Dorle Oberländers Acrylbild „Paar“, welches auch das Plakat ziert, zeigt emblematisch die Vielfalt, aber ebenso das Dilemma der Fragestellung: Ein Paar steht auf einem schwankenden Boot. Einander nicht zugewandt scheinen „Sie und Er“ hochmütig so zu tun, als wäre nichts, obwohl sie steuerlos auf hoher See treiben oder im Ungewissen stranden werden.

Viele Werke in der Show thematisieren sündige Fantasien in Paarbeziehungen oder Brüche zwischen Wunsch und Realität. Rolf Mallat beispielsweise präsentiert auf seinem Gemälde „In der Metro“ ein verdrossenes Paar vor dem Bild „Sündenfall“ von Peter Paul Rubens (1577 – 1640) im Bahnfenster: Er fummelt am Smartphone, Sie scheint zu träumen. Auf inszenierten Fotografien zeigt Karin Reichardt „Ich sehe was, was Du nicht siehst“: Einen Mann als Herrn im Haus, doch ebenfalls als Pantoffelhelden, (s)eine Frau als Unterwürfige und obendrein als Schlampe. Bildende Kunst kann solche Verwerfungen darstellen, mögliche erotische oder aggressive Fantasien andeuten, jedoch zwingen diese Arbeiten das Publikum letztlich zu eigenen Interpretationen.

Einige Künstlerinnen inszenierten etwas Selbsterfahrung: Susanne Dilger ließ acht Männer ihren Kleiderschrank plündern und fotografierte die nun weiblich anmutenden Herren. Auf Gabi Klingers Bild „Ada und Evam“ tauschten sie und ihr Partner die Rollen, aber ist Sie wirklich diese bärtige Frau und Er der glatzköpfige Mann? Solche zu Bildern geronnenen Camouflagen, von denen es mehrere in der Schau gibt, sind witzig. Jedoch kann Kunst wesentlich mehr – gerade sie schafft es, noch nicht Erlebtes, Fremdes, Unsagbares auszudrücken und sich ihm anzunähern.

Wer kann wirklich wissen, wie es hinter den Schleiern der Frau zumute ist, die als unsichtbarer Mensch in dieser Welt nicht vorkommt? Mojgan Razzaghi macht das Aufreißen der Verhüllungen, die Befreiung, in drei großen bewegenden Fotografien deutlich. Wie fühlen sich Paare, die eine künstliche Befruchtung im Reagenzglas anstreben? Youri Jarkikh berührt mit seinem kühnen und doch poetischen Gemälde „Liebe in Vitro“.

Anna Elisabeth Berger montierte in ihrer kleinen Installation einen schwarzen Revolver, der auf eine aufrecht stehende, etwas rot gefärbte Damenbinde zielt. Ihrem „Tabubruch“ hat sie statt einer Erklärung ein längeres Gedicht hinzugefügt, in dem es am Ende heißt: „… Und dann tanzen sie / die Weiber in ihrem blutroten Kleid / und wenn der Mond schwarz ist.“

Das ist nicht die einzige Herausforderung in dieser spannenden – großartig von Dr. Elisabeth Heil kuratierten – Ausstellung, in der sich Kunstwerk aufeinander beziehen und doch für sich wirken. Ulrich Barnickels lebensgroße Holzskulptur zweier sich liebender Männer, „Wahre Liebe“, ist für manche Besucher sicher noch ein Affront. Klar, nicht alle Objekte gefallen dem Publikum – aber anregen, zum Lachen bringen oder provozieren (im Sinne von etwas hervorrufen) werden sie allesamt. Zum Ende der Schau gibt es jeweils ein Publikums- und einen Jurypreis für die beteiligten Kunstschaffenden.

Aus: Fuldaer Zeitung vom 19.Dezember 2017
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Die Osthessen-News berichtet mit einer langen Fotostrecke über die „Neue Ausstellung in der Kunststation Kleinsassen“.
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Die neue Ausstellung mit dem Titel „Wettbewerbsausstellung SIE und ER – WER sind WIR? – eine Auseinandersetzung auf der Suche nach dem Selbstverständnis und den gesellschaftlichen Definitionen der Geschlechterrollen“ aufgebaut, in der 45 Künstlerinnen und Künstler vertreten sind und die bis zum 25. Februar 2018 zu sehen ist.

Spannende, eigenwillige, vielschichtige künstlerische Positionen laden zum Betrachten, Nachdenken und Schmunzeln ein. Flankiert wird die Ausstellung durch eine Studioausstellung von Jugendlichen zum Thema und durch ein reichhaltiges Begleitprogramm. Zur Vernissage zeigte eine Gruppe der Winfriedschule Fulda eine Performance.

Sehen Sie nachfolgend eine Bilderserie von der Vernissage von unserem Fotografen Erich Gutberlet.
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Soeben ist auch die Broschüre zur Ausstellung erschienen und kann als PDF heruntergeladen werden. Enthalten sind u.a. eine Kurzvita und Abbildungen von Werken aller beteiligten Künstlerinnen und Künstler.

Für die Fuldaer Zeitung war Hanswerner Kruse schon vor der Vernissage in Kleinsassen beim Aufbau der Ausstellung dabei und berichtet begeistert „Von Identität und Beziehungen, wie er sie dort erlebt hat.
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Kleinsassen. In der Kunststation beginnt ab 17. Dezember die Ausstellung „SIE und ER“, die sich mit menschlichen Beziehungen und geschlechtlicher Identität auseinandersetzt. Wir besuchten die Vorbereitungen der Schau in Kleinsassen.

An den Wänden lehnen noch viele Bilder, die aufgegängt werden müssen. Einige sind bereits befestigt, manche Skulpturen stehen an ihren Plätzen. Es riecht nach Farbe, überall liegt Werkzeug herum, es wird gehämmert und geschraubt – eine aufregenden Atmosphäre. Aus 140 Bewerbungen suchte die Jury 45 Künstlerinnen und Künstler aus- und nun bringen die nach und nach ihre Arbeiten vorbei, manche helfen auch beim Aufbau.

Die Kuratorin Dr. Elisabeth Heil hat schon länger alle Kunstwerke im Kopf, die sie von den Fotos des Auswahlverfahrens kennt, und weiß genau, wo sie hin sollen. Beim Gang durch die noch unfertige Ausstellung erkennt man die Vielfalt der künstlerischen Ideen zum Thema – und Heils gestalterisches Konzept: „Ich will kein Sammelsurium, sondern die Objekte sollen in einen Dialog miteinander treten. Dennoch brauchen alle Werke genug Raum, um auch für sich zu wirken“, erklärt sie.

Mit dem jungen Künstler Patrick David Brockmann und dem Hausmeister Claus Grün sucht sie gerade nach Lösungen, um lange schmale Plexiglasplatten aufzuhängen. „Sie können nicht irgendwie herumhängen“, meint Heil, „man muss sie beim Reinkommen ansehen können.“ Brockmann scannte mit einem Handscanner Menschen in einer Fußgängerzone ab, streckte die entstandenen Fotos und übertrug sie auf Platten. „Mich interessiert, ob man die Identität oder das, was einen Menschen charakterisiert, in einer Fotografie einfangen kann“, meint er.

Nebenan ist Heils „Lieblingsspielwiese“, wie sie sagt. Carolin Liebl und Nikolas Schmidt-Pfähler haben zwei lebensgroße kinetische Objekte gebaut, die sich unaufhörlich suchen, um miteinander zu agieren. Jedoch werden diese Roboter „Vincent“ und „Emily“ durch das wechselnde Umgebungslicht ständig irritiert. „Deshalb kann man ihr Verhalten nicht vorhersagen“, meint das junge Künstlerpaar und lacht – denn das ist auch eine Allegorie menschlichen Verhaltens. Beide Geräte sind baugleich und identisch programmiert, dennoch schreibt man ihnen als Betrachter männliche oder weibliche Eigenschaften zu.

Aktuelle Diskussion

Bildhauer Fabian Vogler verwickelt einen sofort in eine Diskussion über Intersexualität. In der Ausstellung zeigt er zahlreiche kleine Bronzefiguren, die alle Doppelgeschlechtlichkeit ausdrücken. Sein Zugang zum Thema ist ein absolut küstlerischer, mit seinem Medium möchte er aber auch verdeutlichen, was die betroffenen intersexuellen Menschen (also diejenigen, die nicht mit eindeutigen Geschlechtsmerkmalen geboren wurden) bewegt.

Monika Ebertowski, Leiterin der Kunststation, wusste schon vor der bundesweiten Ausschreibung, welche Brisanz im Thema geschlechtlicher Identität steckt: „Deshalb entschieden wir uns ja dafür. Doch mit der aktuellen Diskussion im Kontext des neuen Urteils des Bundeverfassungsgerichts nahm es zusätzlich Fahrt auf“, meint sie. Doch mit so vielen Bewerbungen rechnete sie nicht. Ursprünglich trat eine Initiative gegen Frauengewalt an die Kunststation und andere Einrichtungen heran, um zum Thema Gewalt eine Ausstellung zu initiieren. „Doch das war uns zu defizitär“, erinnert sich Ebertowski, und so entstand in Kooperation mit Anderen diese großartige Schau. Ein breites Rahmenprogramm wird die Auseinandersetzung der Kunstschaffenden mit dem Thema erweitern.
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Gleichzeitig findet eine Studioausstellung zum Thema mit mit Arbeiten von SchülerInnen der Biebertalschule (Hofbieber), der Winfriedschule (Fulda) und der Kinderakademie Fulda statt. Zur Vernissage präsentierte der Grundkurs Darstellendes Spiel der Jahrgangsstufe Q3 der Winfriedschule eine selbst erarbeitete Performance / Szenencollage.

Einladung zur Ausstellung (29.11.2017)
Flyer zur Ausstellung (29.11.2017)
Plakat zur Ausstellung (29.11.2017)
Broschüre zur Ausstellung (7.12.2017)